09.02.2020

"Kita differenzsensibel"

"Tag der Lieblingskleidung" - Prinzessinnenkleid trifft Pyjama. Ein Erlebnisbericht im Rahmen des Projekts "Kita differenzsensibel".

Eine von sechs  Modellkitas des Projekts „Kita differenzsensibel – Vielfalt und Teilhabe in der frühen Bildung! Im Bundesprogramm „Demokratie leben“  zu werden, sahen wir 2016  als Chance uns aktiv für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander einzusetzen.

 

Wir würden  die Möglichkeit erhalten, uns zeitlich und inhaltlich mit Begriffen  wie  Demokratie, Vielfalt, Differenzsensibilität, diskriminierungskritische Haltung und Partizipation auseinanderzusetzen.

 

 

Mit den Projektbegleiterinnen der FiTT gGmbH , Forschungs- und Transferinstitut der htw saar, setzten  wir uns Im Rahmen von Teamfortbildungen mit diesen Themen auseinander.   Die  Herausforderung war nun,  unseren Blickwinkel   zu erweitern.

 

 

Sensibilisiert und motiviert gingen wir nun daran, die Lernumgebung, die unsere Kindertagesstätte den Kindern bietet, kritisch zu überprüfen.   War die Lernumgebung vorurteilsbewusst gestaltet oder musste es Veränderungen geben?

 

Im Rollenspielbereich stellten wir sehr schnell fest, dass Veränderungen notwendig waren.

 

Dort stand  den Kindern eine Vielzahl von Kleidungsstücken zur Verfügung.  Zum Zeitpunkt der Überprüfung  befanden sich dort fast ausschließlich Faschings- und Tierkostüme. Die Kinder hatten diese Kleidungsstücke in der Zeit vor Fasching selbst in Katalogen ausgewählt.

Nun war es April, die Kinder zogen weiterhin die Tierkostüme an, krabbelten häufig auf allen vieren im Rollenspielbereich herum und gaben Tierlaute von sich.

Die Faschingskostüme wurden weiterhin angezogen, die Mädchen wählten meist eines der Prinzessinnenkleider und die Jungs bevorzugten die Feuerwehruniform.

 

Ein gemeinsames  Rollenspiel konnten wir in dieser Zeit selten  beobachten. Jedes Kind spielte meist für sich alleine.

 

Resultierend aus Überprüfung und Beobachtung erkannten  wir, dass wir  den Kindern eine  andere Auswahl an Kleidungsstücken  zur Verfügung stellen müssen, damit sie nicht in Rollen gefangen sind, sondern vielfältige  Möglichkeiten haben, sich zu erproben.

 

Die Auswahl der Kleidungsstücke sollte unter den Prinzipien der Partizipation getroffen werden und so entstand die Idee einen „Tag der Lieblingskleidung“ zu veranstalten.

 

Die Kinder wurden eingeladen, an diesem Tag in ihrer Lieblingskleidung in die Kita zu kommen. Die Eltern wurden durch einen Elternbrief darüber informiert, um Akzeptanz und Mithilfe gebeten.

 

 

Der Tag wurde zu einem überwältigenden Erfolg; alle Mitarbeiterinnen und  fast alle Kinder kamen in ihren Lieblingskleidern und wir erlebten eine Vielfalt, die niemand von uns erwartet hatte.

Ein Kind kam in Badekleidung und Bademantel: „Ich gehe so gerne ins Schwimmbad, aber da komme ich nicht oft hin. Darum habe ich heute die Badesachen angezogen.“

Ein Kind kam in Stoffhose, weißem Hemd  und Jackett. Sein Bruder erklärte: „Mein Bruder wollte heute so chic sein wie Papa, wenn er zur Arbeit geht.“

Ein Kind kam und berichtete. „Ich habe heute kein Unterhemd und keine Strümpfe an und trage zwei Hosen übereinander.“

Ein Kind trug das Abendkleid der Mutter, ein Kind kam in Feuerwehruniform, ein anderes Kind hatte ein Prinzessinnenkleid gewählt. Wir sahen Pyjamas, Jogginganzüge und ein Dirndlkleid.

Die Kinder und Mitarbeiterinnen  waren so  stolz, zeigen zu können, was ihnen gefällt, dass wir spontan eine Modeschau veranstalteten.

Es gab eine kleine Bühne und jeder konnte sich dort in seiner  Lieblingskleidung präsentieren.  Manche Kinder zögerten auf die Bühne zu steigen, dann kam ein anderes Kind hinzu und begleitete das zögernde Kind.

Wir erlebten an diesem Morgen ein Klima der Wertschätzung, der Anerkennung, des gegenseitigen Respekts und der Begeisterung für ein gemeinsames Handeln.

 

Nach dem Tag gingen wir einkaufen. Wir kauften die Kleidungsstücke, die uns die Kinder als ihre Lieblingskleidung präsentiert hatten. Wir kauften jedes  Kleidungsstück  in zwei verschiedenen Größen, so dass alle Kinder die Möglichkeit haben würden unter allen Kleidungsstücken wählen zu können.

Wir waren neugierig, ob sich am Rollenspiel der Kinder etwas verändern würde?

 

Im Rollenspielbereich stand  den Kinder nun folgendes zur Verfügung:

Hosen und Anzugjacken, weiße Hemden, Schlafanzüge, Pullis und T-Shirts mit verschiedenen  Prints, Tanzkleider, Pyjamas,  Stiefel mit hohem Absatz, Bademäntel, kurze und lange Hosen, Snapbacks, Sommerkleider, Leggings mit Print, Prinzessinnenkleider und Feuerwehruniformen.

 

Wir stellten fest, dass sich das Spiel der Kinder   im Laufe der Zeit  verändert hat.

Die Kinder spielen viel häufiger miteinander.  Sie  spielen  „ Familie“.

Die Kinder spielen Situationen nach, die zu ihrer Lebenswelt gehören.

Hierbei ist zu beobachten, dass es  keine spezifische Rollenverteilung gibt; Jungen bereiten das Essen und tragen dabei hohe Schuhe. Die Mädchen tragen gerne Anzug und gehen zur Arbeit. Manchmal kommt eine Prinzessin/ein Prinz im Kleid zu Besuch oder ein Feuerwehrmann/eine Feuerwehrfrau müssen eine brennende Küche löschen.

 

Vielen Kindern ist der Tag der Lieblingskleidung in Erinnerung geblieben, sie sprechen darüber und wünschen sich eine Wiederholung.

 

An diesem Beispiel zeigt sich, wie  sehr es für alle bereichernd sein kann, wenn man bereit ist, kritisch hinzuschauen und gemeinsam mit den Kindern  zu entdecken, was und wie  etwas verändert werden kann.

 

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